Buchcharts – die aktuellen Bestsellerlisten

Hape Kerkelings Katzenbuch landet Coup

6. Juli 2021
von Matthias Glatthor

Fulminanter Start: Von Null auf Platz 1 heißt es für "Pfoten vom Tisch!" von Hape Kerkeling in unseren Sachbuchcharts (Hardcover). Julia Friedrichs gibt der "Working Class" eine Stimme, ein "Schwarzbuch Corona" platziert sich, und von der schwedischen Autorin Johanna Mo startet eine neue Krimi-Reihe – alle neu dabei. Die aktuellen Wochencharts auf Börsenblatt online.

Hape Kerkeling, mit Katze auf der Schulter, und weitere Neueinsteiger

Die Wochencharts auf Börsenblatt Online

Ermittlungszeitraum: 28. Juni bis 4. Juli 2021

Sachbuch: Neuer Nummer 1-Hit für Kerkeling

Piper und Hape Kerkeling verbindet eine Erfolgsgeschichte: Nach den Top-Bestsellern "Ich bin dann mal weg" und "Der Junge muss an die frische Luft", schafft es Kerkelings Hommage an seine und alle anderen Katzen "Pfoten vom Tisch! – Meine Katzen, andere Katzen und ich" (Piper; ET: 30. Juni) auf Anhieb auf Platz 1 der Sachbuchcharts (Hardcover) – was anders hätte man erwartet? Auf der Verlags-Website findet sich eine ganze Palette positiver Stimmen. Das Buch sei vieles zugleich, meint "Deutschlandfunk Kultur": "ein ernstgemeinter, aber auch augenzwinkernder Ratgeber, ein liebe- und humorvoller Blick auf seine eigenen Katzen, die von Freunden, oder berühmte Exemplare, das Revue-Passieren-Lassen des eigenen Lebens anhand von Katzenmomenten".

250.000 Exemplare seien in Druck, erklärt der Piper Verlag auf Anfrage. Die Zusammenarbeit zwischen Hape Kerkeling und Malik & Piper sei langfristig angelegt. Neben den beiden Millionensellern "Ich bin dann mal weg" und "Der Junge muss an die frische Luft" sei etwa noch der Kolumnenband "Frisch hapeziert" erschienen. "Die Idee zum Katzenbuch entstand im Gespräch zwischen dem Autor und seiner Lektorin, Malik-Programmleiterin Bettina Feldweg, denn Katzen gehören immer schon zu Hape Kerkeling und haben ihn in wichtigen Phasen seines Lebens begleitet", erklärt der Verlag zur Entstehung des Buches. "So wurde der Gedanke, über Katzen zu schreiben, geboren – und für Hape Kerkeling entwickelte sich die anfängliche charmante Idee immer mehr zur Herzensangelegenheit." Und die Zusammenarbeit mit Kerkeling soll weitergehen, weitere gemeinsame Buchprojekte seien schon geplant.

  • Das Hörbuch von "Pfoten vom Tisch!" ist gleichzeitig bei Osterwold audio erschienen (6 CDs) – eingelesen von Hape Kerkeling.

Piper kann sich über einen weiteren Neueinsteiger auf Platz 23 freuen: "Xi Jinping - der mächtigste Mann der Welt" (ET: 1. Juli) aus der Feder der Journalisten Stefan Aust und Adrian Geiges. Geiges hat Chinesisch studiert und war viele Jahre Peking-Korrespondent des "Stern" (mehr über ihn auf seiner Website). Die Startauflage beträgt laut Piper 8.000 Exemplare. Warum hat Piper das Buch gemacht? Über den chinesischen Partei- und Staatschef sei hierzulande noch wenig bekannt, und beide Autoren seien hervorragende China-Kenner. "Zudem stand im Juli 2021 der Jahrestag 100 Jahre Kommunistische Partei Chinas an. Und wir hatten bereits einen großen Erfolg mit Kai Strittmatters Buch über China 'Die Erfindung der Diktatur'." Das Projekt habe man im Frühsommer 2020 verabredet. Aust und Geiges konnten sich dabei auf Reden XI Jinpings, die verfügbaren Quellen über seine Lebensgeschichte und seine Politik und auf ihre eigenen Interviews und Reportagen in und über China stützen, wie sie ausführen.

Noch etwas weiter oben in den Sachbuchcharts (HC) rangiert ein weiterer Piper-Titel, ebenfalls von Stefan Aust geschrieben: Seine Autobiografie "Zeitreise" (ET: 31. Mai) – Platz 10 (Vorwoche: 9; insgesamt fünf Wochen in den Charts). Hier habe die Startauflage 25.000 Exemplare betragen, 10.000 seien inzwischen nachgedruckt worden. Aust hat für sein Buch ordentlich getrommelt, war in diversen Talkshows zu Gast – in der vergangenen Woche etwa bei "Markus Lanz" (ZDF). Dabei wurde das Cover von "Zeitreise" eingeblendet.

Insgesamt haben wir drei neue Titel in unserer Hardcoverliste (Sachbuch) – der dritte im Bunde ist "Working Class" (Berlin Verlag; ET: 1. März) von der Journalistin Julia Friedrichs (ihre Website) auf Platz 19. Den britischen Begriff hat sie gewählt, weil das deutsche "Arbeiter" ihr nicht adäquat vorkam. "Die working class sieht anders aus als vor hundert Jahren", schreibt sie im Prolog ihres Buches, "aber noch immer gilt: Es sind Menschen, die arbeiten, um Geld zum Leben zu haben." Und weiter: "Menschen, für die gilt: Nettoeinkommen gleich Monatsbudget ohne Rücklagen-Netz und doppelten Familien-Vermögen-Boden." Seit 2010 nehme die Ungleichheit der Jahreseinkommen in Deutschland wieder zu, so Friedrichs. Gut drei Millionen Menschen würden weniger als 2.000 Euro brutto im Monat verdienen, obwohl sie Vollzeit arbeiten, zehn Millionen bekämen weniger als 12 Euro die Stunde. Die Generation der Babyboomer nach dem Zweiten Weltkrieg sei die erste, die nicht in der Mehrheit die eigenen Eltern wirtschaftlich übertreffen werde. Und gerade in der Altersgruppe bis 45 sei die Zahl der Menschen mit niedrigem Einkommen stark gewachsen. Die Corona-Pandemie habe diesen Prozess noch einmal beschleunigt, einen "ökonomischen Totalschaden" ausgelöst. "Dieses Buch erzählt den Umbruch anhand von Menschen, die dachten, dass Arbeit sie durchs Leben trägt", schreibt Friedrichs. "Ihre Stimmen hört man viel zu selten." Sie zählt Arbeiter, Angestellte und Freiberufler dazu. Für ihr Buch hat sie ihre Gesprächspartner ein Jahr lang immer wieder getroffen.

Die Neuen beim Paperback und Taschenbuch im Überblick:

  • Platz 11 (PB): "Schwarzbuch Corona" (Westend; ET: 28. Juni) des Journalisten Jens Berger (unter anderem beim Watchblog "NachDenkSeiten"). Berger beschreibt, welche Schäden die Corona-Politik seiner Meinung nach auf dem Gebiet der Ökonomie, der Ökologie und der Gesundheit verursacht hat und immer noch verursacht.
  • Platz 22 (PB): "Lobbyland" (Das Neue Berlin; ET: 19. Juli) von Marco Bülow (seine Website), Journalist und Politiker. Mitglied des Bundestags, bis 2018 für die SPD, dann Parteiaustritt. Zunächst als parteiloser Abgeordneter weiter im Bundestag, seit 2020 als Mitglied der PARTEI. Der Untertitel seines Buches zeigt, worum es ihm geht: "Wie die Wirtschaft unsere Demokratie kauft".
  • Platz 7 (TB): "1918 – Die Welt im Fieber. Wie die Spanische Grippe die Gesellschaft veränderte" (Piper Tb.; ET: 1. Juli; Ü: Sabine Hübner) von der britischen Wissenschaftsjournalistin Laura Spinney. TB-Ausgabe des noch lieferbaren Hardcovers vom Januar 2018 (Hanser).
  • Platz 25 (TB): "In den Ferien fahren wir in die Bredouille" (Goldmann; ET: 21. Juni) des Berliner Lehrers Maximilian Lämpel. So wie der Untertitel, "Geheime Notizen eines Lehrers", lautet auch seine Facebook-Seite. Er erzählt unterhaltsam aus dem Schulalltag, so der Verlag.

Baerbocks Buch auf Platz 8

"Jetzt – Wie wir unser Land erneuern" (Ullstein; ET: 21. Juni) der grünen Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock liegt auf Platz 8 (Vorwoche: 7) in unseren Sachbuchcharts (Hardcover). Gestartet war es vor drei Wochen neu auf Platz 12 in den Charts. Gegen das Buch gibt es Plagiatsvorwürfe, die mittlerweile eine Debatte ausgelöst haben (auch bei "Markus Lanz", ZDF, war es bereits Thema). Siehe dazu folgende Meldungen auf Börsenblatt online:

Belletristik: Juli Zeh wieder auf Platz 1

Juli Zeh, die mit "Über Menschen" (Luchterhand; ET: 22. März) laut Media Control das meistverkaufte Buch des ersten Halbjahres vorgelegt hat (zur Meldung auf Börsenblatt online), klettert mit ihrem Erfolgstitel wieder an die Spitze der Hardcovercharts (Vorwoche: Platz 2). Damit verdrängt sie Lucinda Rileys "Die verschwundene Schwester" (Goldmann; ET: 24. Mai; Ü: Sonja Hauser, Karin Dufner, Sibylle Schmidt, und Ursula Wulfekamp) auf den zweiten Platz. Den dritten Platz belegt – wie in der Vorwoche – "Flüchtiges Begehren" (Diogenes; ET: 26. Mai; Ü: Werner Schmitz). Commissario Brunettis dreißigster Fall.

Ansonsten findet sich in dieser Woche in der Hardcoverliste (Belletristik) kein Neueinsteiger. Lediglich ein Wiedereinsteiger schafft es in die Top 25, auf Platz 24: "Das Damengambit" (Diogenes; ET: 26. Mai; Ü: Gerhard Meier) des US-Autors Walter Tevis. Sein Buch diente als Vorlage für eine erfolgreiche Netflix-Serie.

Die Neuen beim Paperback (im Taschenbuch gibt es keine) im Überblick:

  • Platz 15: "Old Bones – Das Gift der Mumie" (Knaur Tb.; ET: 1. Juli; Ü: Michael Benthack) von Douglas Preston und Lincoln Child (zur Website des Duos). Ein Thriller. Der zweite Fall für die FBI-Agentin Corrie Swanson und die Archäologin Nora Kelly. Eine mumifizierte Leiche in der Geisterstadt High Lonesome gibt Rätsel auf.
  • Platz 16: "Nachttod" (Heyne; ET: 5. Juli; Ü: Ulrike Brauns) der schwedischen Autorin Johanna Mo. Erster Band einer neuen Reihe um die Ermittlerin Hanna Duncker, Tochter eines Mörders, die nach Öland zurückkehrt. In ihrem ersten Fall geht es um einen toten Teenager – ihre Vergangenheit und den Fall ihres Vaters. Band 2, "Finsterhaus", kündigt Heyne für März 2022 an, den dritten Band, "Dunkelwald" für September 2022.
  • Platz 17: "Heldinnen werden wir dennoch sein" (Fischer Krüger; ET: 30. Juni) von Christiane Wünsche (ihre Website). Im Mittelpunkt ihres Romans stehen die fünf langjährigen Freundinnen Susanne, Helma, Ellie, Ute, Marie. Der plötzliche Tod eines Freundes aus ihrer Jugend löst Erinnerungen und Lebensbilanzen aus.
  • Platz 20: "Mein Wille geschehe" (Knaur Tb.; ET: 1. Juli) von Bernd Schwarze. Der evangelische Theologe, pastoraler Leiter der Kultur- und Universitätskirche St. Petri zu Lübeck, hat einen Pastorenkrimi geschrieben. Und er hatte profunde Hilfe, wie der Untertitel verrät: "Nach einer gemeinsamen Idee und mit einem Nachwort von Sebastian Fitzek". Beide sind seit langem befreundet. Der Inhalt: Im Affekt erschlägt Pastor Benedikt Theves einem gewalttätigen Ehemann, versteckt die Leiche in der Krypta. Schon bald spürt er, trotz eines schlechten Gewissens, eine nie gekannte Energie in sich, seine neuen Predigten machen die Kirche voll. Der misstrauische Hauptkommissar René Wilmers sitzt ihm im Nacken.

Ratgeber: Neuer Streich der Thermomix-Köchinnen

"food with love: Sweet Love & Happiness" (Lempertz Edition; ET: 21. Juni) heißt das neue Buch der Foodbloggerinnen Manuela und Joëlle Herzfeld (ihr Blog inklusive Shop: "food with love"), ein Mutter-Tochter-Gespann. Ihr vierter Thermomix-Titel steigt neu auf Platz 2 in die Ratgeber-Charts ein – ist zudem Aufsteiger der Woche (plus 98 Plätze). Enthalten sind 80 Rezepte für Torten, Kuchen und Gebäck. Sie können im Thermomix oder jeder anderen Küchenmaschine nachgebackt werden. Schritt-für-Schritt-Anleitungen versprechen ein gelungenes Ergebnis. Das Duo hat unter anderem bereits vorgelegt: "Unsere Lieblingsrezepte" (Lempertz Edition, 2017), "Soulfood with Love" (Lempertz Edition, 2018) und "Family & Friends" (Lempertz Edition, 2019).

Zweiter Neuling ist auf Platz 24 der britische Autor Matt Haig (seine Website) mit "The Comfort Book – Gedanken, die mir Hoffnung machen" (Droemer; ET: 1. Juli; Ü: Hella Reese). Haig, der selbst Erfahrungen mit Depressionen und Angststörungen gemacht hat, schreibt Romane, Sachbücher und hier einen Ratgeber. Sein Buch sei ein "Kompendium liebevoller und tiefgründiger Texte, die Mut machen für jeden Tag", so der Verlag. Und Haig formuliert zu Beginn seines Buchs: "Manchmal schreibe ich etwas auf, um mich selbst zu trösten. Erkenntnisse aus schwierigen Zeiten. Gedanken. Betrachtungen. Listen. Beispielhaftes. Etwas, an das ich mich erinnern möchte. Etwas, was ich von anderen Menschen erfahren habe. Oder etwas, was ich aus dem Leben anderer Menschen gelernt habe (...) Hier sind also einige meiner Rettungsinseln. Jene Gedanken, die mich über Wasser gehalten haben. Ich hoffe, dass einige davon auch dich ans rettende Ufer bringen." Sicher eine hilfreiche Lektüre.

Vorausgeschaut: Rossmanns zweiter Krimi kommt

Dirk Rossmann hatte mit dem Thriller "Der neunte Arm des Oktopus" (Lübbe; ET: 16. November 2020) sein Debüt als Belletristik-Autor vorgelegt – und holte sich damit Platz 5 in unseren Jahrescharts Belletristik (Hardcover). Nun soll ein zweiter Thriller folgen: Am 18. Oktober 2021 erscheint "Der Zorn des Oktopus". Wenn auch einige handelnde Personen erneut auftreten würden, so sei der zweite Roman unabhängig vom ersten Buch zu lesen. Und auch hier lasse ihn die Metapher des Oktopus nicht los, teilte Bastei Lübbe mit.

"Der Oktopus steht sinnbildlich für alle Lebewesen, die sich nicht selbst gegen den dramatischen Klimawandel zur Wehr setzen können", sagt Dirk Rossmann. "Im 'Zorn des Oktopus' spitzt sich die Dramatik zu. Um das Klima zu retten, hat sich die Welt gravierend verändert. Die neue Weltordnung bringt ungeahnte, nie dagewesene Herausforderungen mit sich – ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, in einer neuen Welt, aber nicht allzu fernen Zukunft." Zur Seite steht ihm bei seinem zweiten Roman Ralf Hoppe als Co-Autor. Der Journalist und Künstler Hoppe hatte als Hörbuchsprecher das Audiobuch von "Der neunte Arm des Oktopus" gelesen. Er wird auch das zweite Buch einsprechen.

"Wir freuen uns über das Vertrauen seitens Dirk Rossmann, uns auch seinen zweiten Thriller anzuvertrauen, und dass wir die Erfolgsgeschichte gemeinsam fortsetzen können", kommentiert Simon Decot, Vorstand Programm der Bastei Lübbe AG.

Der Link zu den Wochenlisten:

https://www.boersenblatt.net/news/bestseller

In dieser Woche haben für insgesamt 13 Neueinsteiger in unsere Charts sowie 14 Wiedereinsteiger (ohne Essen & Trinken, Ernährung).

Welche*r Wiedereinsteiger*in hat es in dieser Woche am höchsten in die Charts geschafft? Es ist Wölkchenbäckerin Güldane Altekrüger (ihre Website), die sich mit "Die Wölkchenbäckerei: Wölkchenleichtes Grill- und Partybuffet" (Dplusa; ET: 17. Mai) Platz 4 in der Ratgeberliste holt (der Titel kommt damit auf fünf Wochen in den Charts). Der Foodbloggerin gelingt überhaupt eine Wiedereinstiegswelle, denn zwei weitere Titel von ihr kehren bei den Ratgebern zurück: "Abnehmen mit Brot und Kuchen Teil 3" (Dplusa; ET: 12. Oktober 2020; aktuell in der zweiten Auflage – insgesamt acht Wochen in den Charts) auf Platz 15 und "Abnehmen mit Brot und Kuchen" (Dplusa; ET: 12. November 2018; mittlerweile 11. Auflage – insgesamt 28 Wochen in den Charts) direkt dahinter auf Platz 16.

Über die Bestsellerlisten

Die Börsenblatt-Bestsellerlisten basieren auf Verkaufszahlen, die von unserem Kooperationspartner Media Control erhoben werden. Hierzu werden wöchentlich, elektronisch die Verkaufszahlen aus den Warenwirtschaftssystemen von deutschlandweit mehr als 6.550 Verkaufsstellen ausgelesen: Sortimentsbuchhandlungen inklusive eCommerce, Bahnhofsbuchhandel, Kauf- und Warenhäuser sowie Elektro- und Drogeriemärkte. Bezogen auf das Umsatzvolumen bilden die Daten 88 Prozent des gesamten deutschen Buchmarktes ab. Mehr Informationen dazu finden Sie hier.