IG Nachhaltigkeit

"Konkrete Maßnahmen an die Hand geben"

19. September 2022
von Christina Schulte

Auf der Buchmesse trifft sich die IG Nachhaltigkeit zu ihrer Kick-off-Veranstaltung. Im Interview erläutern die drei IG-Sprecher:innen Nadja Kneissler, Michael Kursiefen und Jörg Paul die Ziele der neuen Interessengemeinschaft. 

Welche Themen hat sich die IG Nachhaltigkeit auf die Fahnen geschrieben? 
Nadja Kneissler: Wenn man das Thema Nachhaltigkeit groß denkt, dann muss man im Grunde bei den 17 Sustainable Development Goals (SDGs) der ­Vereinten Nationen anfangen. Das ist der Rahmen, in dem wir uns bewegen möchten. Allerdings können wir einige dieser Ziele nicht direkt beeinflussen und möchten uns deshalb zunächst auf folgende Ziele konzentrieren: 4 = Nachhaltige Bildung, 12 = Nach­haltige/r Konsum und Produktion, 13 = Maßnahmen zum Klimaschutz.
Jörg Paul: Wichtig ist uns, die Idee der Nachhaltigkeit auf den Klimaschutz zu fokussieren, also auf die ökologische Nachhaltigkeit. Dabei müssen wir aber die langfristigen wirtschaftlichen Interessen im Auge behalten, also die ökonomische Nachhaltigkeit. Uns wird derzeit sehr deutlich gemacht, dass beide Faktoren untrennbar zusammenhängen.
Michael Kursiefen: Den gesellschaftlichen und sozialen Bereich wollen wir auch beleuchten. Hochwertige Bildung ist dabei ein sehr wichtiges Thema. Wie schaffen wir Bildung abseits der digitalen Berieselung, Bildung, die fundiert und verlässlich recherchiert ist und nicht ungefiltert auf die Menschen einprasselt? Mit dem Buch in all seinen Formen haben wir das perfekte Produkt dafür.

Aber auch ein Produkt, das bislang nur in Ausnahmefällen klimaneutral und nachhaltig produziert wird …
Paul: Für das nachhaltigere Buch ist es entscheidend, die gesamte Herstellungs- und Verwertungskette im Blick zu haben. Ziel muss neben einer umweltfreundlicheren Produktion auch die Vermeidung von ­Überproduktionen, Lieferwegen und Remissionen sein. Ressourcen schonende Lösungen wie Print on Demand sind ein Weg, um dies zu erreichen. 

Das alles hört sich nach einem sehr breiten Spektrum für eine IG an. Wie wollen Sie die Vielfalt strukturieren, um den Themen gerecht zu werden?
Kneissler: Der Sprecherkreis hat sich vor einigen Wochen zu einer Kick-off-Sitzung getroffen. Dort haben wir uns dafür entschieden, drei Taskforces zu gründen, die sich folgenden Schwerpunkten widmen:

1.    Herstellung und Logistik: Hier spielen die Prozesse entlang der Produktions- und Lieferkette eine wichtige Rolle – analysiert unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit.

2.    Ökobilanzierung für die Buch­branche: Bislang sind damit vor allem die größeren Unternehmen in ihrem Nachhaltigkeitsbericht befasst. Aber auch für die kleineren Unternehmen werden Regelungen kommen. Hier wollen wir Hilfestellungen erarbeiten und als Verband unsere Mitglieder gut auf diese Aufgaben und Zertifizierungen vorbereiten.

3.    Facility Management: Darunter verstehen wir Entwicklung und Umsetzung von Ideen und Standards für alle Unternehmen in der Branche hinsichtlich der Ausgestaltung ihres Standorts (zum Beispiel Gebäudeausstattung in Bezug auf Energie und Umweltfreundlichkeit, aber auch die Art und Weise, wie Mitarbeiter zur Arbeit kommen).
 

Nadja Kneissler

Die 17 Sustainable Develpment Goals stecken den Rahmen der IG ab.

Nadja Kneissler

Da bleibt für die einzelnen Taskforces immer noch ausreichend Stoff.
Paul: Am Anfang wird es darum gehen, die Themen in den Taskforces genauer zu definieren und zu priorisieren, denn wir können nicht alles auf einmal in Angriff nehmen. Die Taskforces werden keine Silos sein – es wird immer wieder Schnittmengen zwischen den einzelnen Gebieten und natürlich einen regen Austausch geben.

Wer kann sich in den Taskforces engagieren?
Kursiefen: Es ist uns wichtig, dass alle drei Sparten – und das von Klein bis Groß – in den Taskforces vertreten sind. In der IG Pro haben wir die Erfahrung gemacht, dass eine spartenübergreifende Zusammenarbeit sehr fruchtbar ist, weil Themen aus verschiedenen Blickwinkeln und über die gesamte Branche hinweg beleuchtet werden können.
Kneissler: Wer mitmachen möchte, kann sich für die Taskforce seiner Wahl melden. Einige Kolleg:innen aus Verlagen, Buchhandel und dem Zwischenbuchhandel haben bereits ihr Interesse bekundet, worüber wir uns sehr freuen. Am 19. Oktober gibt es auf der Frankfurter Buchmesse eine Kick-off-Veranstaltung. Aber auch wer daran nicht teilnehmen kann, ist natürlich herzlich willkommen.
 

Michael Kursiefen

Es ist uns wichtig, dass alle drei Sparten – und das von Klein bis Groß – in den Taskforces vertreten sind.

Michael Kursiefen

Wie werden Taskforces und IG arbeiten?
Paul: Es wird eine Mischung aus digitaler und analoger Arbeit werden, wobei sicherlich das meiste digital passiert. Auf jeden Fall brauchen wir die digitalen Formate, um die Arbeiten aus den einzelnen Taskforces zusammenzuführen. Aber natürlich werden sich die Mitglieder der IG auch persönlich zu Sitzungen treffen. Das ist sehr wichtig. Wie genau das ausgestaltet wird, darüber werden wir bei der Bildung der Taskforces sprechen und das mit den Teilnehmer:innen diskutieren.

Einige der Themen, die die IG Nachhaltigkeit in Angriff nimmt, wurden bislang von der IG Pro bearbeitet, die es nun nicht mehr gibt. Warum die Zusammenlegung?
Kursiefen: Wir haben gesehen, dass viele IG-Pro-Themen – wie Remis­sionen, Logistik und Bestellverhalten – auch auf das Thema Nachhaltigkeit einzahlen, da wäre eine doppelte Bearbeitung in zwei IGen wenig sinnvoll. In der IG Nachhaltigkeit wird der Rahmen nun weiter aufgezogen. Wie schon in der IG Pro, sollten wir anstreben, den Mitgliedern konkrete und umsetzbare Maßnahmen anhand von Best Practices an die Hand zu geben.

Jörg Paul

Ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit sollen verbunden werden.

Jörg Paul

Sprecherkreis: Nadja Kneissler (Delius Klasing), Jörg Paul (Libri), Michael Kursiefen (Schweitzer Fachinformationen)
Geplante Taskforces: 
Herstellung und Logistik
Ökobilanzierung für die Buchbranche
Facility Management
Kick-off-Veranstaltung: 19. Oktober, 15 –16 Uhr im Raum Consens auf der Frankfurter Buchmesse
Weitere Informationen: Martina Stemann, Referentin des Hauptgeschäftsführers, E-Mail: stemann@boev.de