IG Belletristik- und Sachbuchverlage

Subversive Intelligenz

20. Januar 2026
Sabine van Endert

Das Branchenjahr beginnt mit dem Treffen der IG BellSa, zu dem die "haute volée", so Moderator Tim Sonderhüsken, am 20. Januar ins Münchener Literaturhaus gekommen ist – fast 180 Player überwiegend aus Verlagen, aber auch der Buchhandel ist dabei. Das Topthema, wenig überraschend: Künstliche Intelligenz.

Sebastian Guggolz am Rednerpult vor dem Logo des Börsenvereins

Vorsteher Sebastian Guggolz am Rednerpult 

Der neu gewählte Vorsteher Sebastian Guggolz stellte sich der Branche bei seinem ersten öffentlichen Auftritt mit einem Vortrag zum Thema vor, der vor menschlicher Intelligenz sprühte – das Redemanuskript finden Sie hier. "Wir dürfen die intelligente Kunst, die menschliche Intelligenz, unter keinen Umständen als Auslaufmodell betrachten, nur weil das Neue, das immer seinen ganz eigenen Reiz hat, künstlich ist. Im Gegenteil: Die menschliche Intelligenz und mit ihr die intelligente Kunst müssen wir als Buchbranche selbstbewusst als unsere großen Stärken, unsere großen Gegengewichte betonen und herausstreichen", heißt es darin. Dieser Aspekt, nämlich die Frage nach der Identität der Verlage, spielte auch im Vortrag der KI-Expertin Katharina Zweig eine Rolle. Sie glaubt, dass der KI erstaunlich oft Aufgaben übergeben werden, die sie nicht löst (Bericht folgt).

"Den Umgang mit KI, mit von ihr generierten Texten und Bildern, von ihr unterstützten Systemen, von ihr erstellten Analysen, Präsentationen, Recherchen oder Bots, wünsche ich mir so kritisch und so reflektiert und auch reglementiert wie möglich", so Guggolz. Der Vorsteher wünscht sich die KI "dosiert eingesetzt und an den richtigen Stellen auch bewusst ausgeschlossen aus bestimmten Prozessen und vor allem aus dem Bereich der Literatur und der Literaturübersetzung". Seine Rede wurde vom Münchener Publikum mit reichlich Applaus bedacht.

"Lesen ist subversiv. Es bewirkt genau das, was Faschisten nicht wollen: Bildung und kritisches Bewusstsein." Der Geschäftsführer des Börsenvereins Peter Kraus vom Cleff startet mit einem Zitat des Pulitzer-Preisträgers Percival Everett. Die Buchbranche leiste einen großen "subversiven" Beitrag zum Demokratieerhalt und dafür wolle er sich herzlich bei allen bedanken. Sein Beitrag stellte vor, welchen Nutzen die Mitglieder von der Verbandsarbeit haben könnten, von der Vertretung der Brancheninteressen in der Politik, über die Ermöglichung des spartenübergreifenden Austauschs bis hin zu best practices zum Einsatz von KI – und der Sicherung der Rahmenbedingungen beim Einsatz von KI. KI gelte es klug zu nutzen, so Kraus vom Cleff, sowenig, "wie Social Media uns sozialer gemacht hat, wird uns Artificial Intelligence intelligenter machen."

3.150 Teilnehmende konnte der Verband laut Kraus vom Cleff im vergangenen Jahr mit seinen Veranstaltungsformaten informieren. Neben der Verteidigung der Rahmenbedingungen wie Buchpreisbindung oder Meinungsfreiheit, werden die IGs und Gremien und die Taskforce Wirtschaftlichkeit ihre Arbeit 2026 weiterführen. Und auch die Transformation des Börsenvereins selbst wird fortgesetzt. Der aktuellen PIAAC-Studie zufolge würde jeder fünfte in Deutschland lebende Erwachsene auf dem Niveau eines Zehnjährigen lesen, ein "kollektives Staatsversagen".  

Peter Kraus vom Cleff am Rednerpult

Peter Kraus vom Cleff