Auch bei der Vermittlung an Verlage denkt Kempf in Beziehungen. Wenn mehrere Häuser interessiert sind, zählt für sie nicht nur die Summe. Entscheidend sei, wo Autor:innen gesehen werden, welches Umfeld trägt und wo Konflikte lösbar bleiben. Ihre Leitfrage lautet: “Wo ist das Umfeld als Ganzes am besten?”
Damit beschreibt sie Agenturarbeit als langfristige Begleitung. Nach Vertragsabschluss hört sie nicht auf: Kempf schaut auf Coverentwürfe, Programmplanung, Pressearbeit, Erscheinungstermine und die oft unsichere Phase rund um Debüts. Mal ist sie kreative Sparringspartnerin, mal dritte Meinung, mal jemand, der vorsichtig nachhakt.
Bei der Manuskriptauswahl verbindet sie Marktbeobachtung mit Instinkt. Businesspläne für Literaturagenturen sieht sie skeptisch; zu vieles bleibe zum Zeitpunkt der Akquise unklar. Manchmal sei ein Stoff schwer vermittelbar, aber eine Autorin zu stark, um sie ziehen zu lassen. Dann heißt es: versuchen, offen kommunizieren, weitersehen.