Unsere Chefredakteurin Christina Schulte war vor Ort in Marl, wo Thalia gerade ein Logistikprojekt hochzieht, das in der Branche nicht nur freundlich interessiert betrachtet wird. Seit Ende Februar verlassen die ersten Pakete den neuen Omni-Channel-Hub im Ruhrgebiet. Noch ist dort vieles im Testbetrieb. In den fünf Hallen wird gewerkelt, automatisierte Lager- und Fördertechnik wird geprüft, Verpackungsanlagen laufen probeweise, der Go-live wird vorbereitet. Ab dem Spätsommer soll der Standort dann hochgefahren werden.
Für Thalia ist Marl mehr als ein neues Lager. Neben dem von Rhenus betriebenen Zentrallager in Hörselgau entsteht hier ein zweiter Logistikhub, auf dem neuesten Stand der Technik und diesmal von Thalia selbst geführt. 100 Millionen Euro investiert der Buchhandelsfilialist in den Standort. Jede der fünf Hallen misst 10.000 Quadratmeter. Das ist eine Größenordnung, bei der man nicht mehr von ein bisschen Optimierung sprechen kann.
Thalia kann mit den neuen Kapazitäten mehr in Eigenregie erledigen. Logistische Veränderungen bei bisherigen Dienstleistern dürften also nicht ausbleiben. Zugleich setzt das Unternehmen auf eine Zweilagerstrategie: Hörselgau bleibt, Marl kommt dazu. Standortleiter Andreas Hennig sagt, das bringe ein Plus an Schnelligkeit, weil unterschiedliche Regionen schneller beliefert werden können. Kurz gesagt: Marl ist ein Technikprojekt, aber vor allem ein Signal. Um in Sachen Tempo und Verfügbarkeit zu punkten, will Thalia auch die Infrastruktur kontrollieren – und Kapazitäten für neuen Wachstum verschaffen. So plant Thalia neue Sortimente, etwa in Mainz, wo Thalia im Herbst auf 1.200 Quadratmetern eine neue Filiale öffnet, im August übernimmt der Filialist im Kölner Braunsfeld die Buchhandlung Klinski. Außerdem wird Thalia offizieller Marketplace-Partner von otto.de – erstmal bietet der Händler Bücher an. Das Sortiment beträgt zum Start 100.000 Bücher und soll weiter ausgebaut werden.