Über die Schäden an ihrer Kyjiwer Wohnung schrieb Iryna Zilyk, Filmregisseurin und Gewinnerin des Sundance Film Festivals im Jahr 2020:
Im Zimmer meines Sohns war die Tür aus den Angeln gerissen, bei den Nachbarn waren die Fenster zersplittert, der Einschlag hatte direkt auf der anderen Straßenseite getroffen. Rauchend gehe ich durch die Wohnung und sehe mich um. Ich bin gefasst, zittere aber am ganzen Leib. Es ist lange her, dass wir so rennen und uns im Flur zu Boden werfen mussten.
Zehn Minuten zuvor hatte ich mir noch Andrei Swjaginzews Dankesrede für die Goldene Palme bei den Filmfestspielen von Cannes angesehen. "Herr Präsident, bitte beenden Sie endlich dieses Gemetzel“, sagte der russische Regisseur. Einige Kritiker bezeichnen sein neues Werk als Antikriegsfilm, andere weisen jedoch darauf hin, dass der Krieg darin nie tatsächlich als Krieg benannt, sondern mit dem Euphemismus "militärische Spezialoperation“ verhüllt wird. Der "Herr Präsident“ drückt heute höchstpersönlich die Knöpfe, um Raketen und Kampfdrohnen auf meine Stadt abzufeuern. Ganz eigenhändig leistet er Schwerstarbeit.
Die Schriftstellerin Olena Sachartschenko, deren Wohnung gänzlich zerstört wurde, beschrieb den Abend vor dem Angriff und wie sie es schaffte, sich rechtzeitig vor dem Einschlag auf den Boden zu legen:
Meine Wohnung, die ich sehr geliebt habe, gibt es nicht mehr. Es fühlt sich irgendwie unlogisch an, als solle es so nicht sein. Am Abend saßen wir noch mit den Kindern zusammen, spielten ein Brettspiel, räumten den Geschirrspüler ein; ich überlegte, ob ich die Blumen vor dem Fenster gießen müsste, und bezog die Betten neu, weil ich Wäsche gemacht hatte. Die Kinder wischten die Böden. Und jetzt – ist alles fort. Es gibt keine Wohnung mehr, keine Bücher, kein Geschirr zu spülen, keine Spiele zu spielen. Ich kann nirgends wohnen. Mein Zuhause wird Stein für Stein zerlegt, Betonplatten werden heruntergenommen, damit sie "den Leuten nicht auf den Kopf fallen“. Und ich kann immer noch kaum glauben, dass ich nie wieder auf dem Sofa sitzen, nie wieder die Bilder und die alte Wanduhr betrachten, nie wieder meinen Kindern in ihrem Zimmer etwas zurufen werde. Das Leben ist abgebrannt und liegt in Scherben.
Die Autorin Tamara Duda über das Geschehen nach dem Angriff:
"Der Hof ist mit Glassplittern von zerbrochenen Fenstern übersät. Die Menschen stürmen hinaus und begutachten ihre Autos im Schein von Taschenlampen.“