Analyse des Vermietungsmarkts im deutschen Einzelhandel

"Konzentration auf erstklassige Standorte“

15. Juli 2026
Redaktion Börsenblatt

Das US-amerikanische Dienstleistungs-, Beratungs- und Investmentunternehmen Jones Lang LaSalle (JLL) vermeldet eine anhaltende Zurückhaltung am deutschen Vermietungsmarkt im Einzelhandel. Erstmals seit fünf Jahren sei der Einzelhandelsvermietungsmarkt an der Marke von 100.000 Quadratmetern gescheitert. 

Statistik zu Einzelhandels-Spitzenmieten in zehn Metropoloen

Laut der Analyse von JLL belief sich der Flächenumsatz in Deutschland im zweiten Quartal 2026 auf 94.400 Quadratmeter Ladenfläche. Dies entspreche einem Rückgang von 13 Prozent im Vergleich zum Vorquartal (108.900 m²) und liege signifikant unter dem Fünfjahresdurchschnitt von 115.200 m² pro Quartal. Der Begriff Flächenumsatz bezeichnet die Summe aller Flächen, die innerhalb des betrachteten Zeitraums vermietet oder an einen Eigennutzer verkauft oder von ihm oder für ihn realisiert werden. Maßgeblich für die zeitliche Einordnung ist das Datum des Miet- bzw. Kaufvertragsabschlusses, sodass Mietvertragsverlängerungen nicht als Umsatz erfasst werden.

Auf Halbjahressicht summiere sich der Vermietungsumsatz, also der Flächenumsatz ohne Berücksichtigung eigengenutzter Flächen, auf insgesamt 203.300 m², was den schwächsten Wert der vergangenen Jahre darstelle. Auch die Zahl der abgeschlossenen Anmietungen ging laut JLL im zweiten Quartal mit 168 leicht zurück, nachdem es im Vorquartal noch 182 Abschlüsse waren.

Konzentration auf Toplagen

Aniko Korsos, Head of Retail Leasing JLL Germany, erklärt: "Auffällig ist die kontinuierliche Konzentration auf erstklassige Standorte. Mit 51 Prozent hält sich der Anteil der Abschlüsse in zehn Metropolen im zweiten Quartal 2026 auf dem erhöhten Niveau des Vorquartals. Dies signalisiert, dass Händler trotz der gedämpften Gesamtnachfrage ihre Expansion gezielt auf Toplagen ausrichten."

Beim Flächenumsatz zeige sich ein differenziertes Bild: Während 41 Prozent der angemieteten Flächen auf die zehn Metropolen entfallen – ein Rückgang um 51 Prozent im Vergleich zum Vorquartal – bleibe die Präsenz internationaler Konzepte stark ausgeprägt. Diese verantworten 61 Prozent des Flächenumsatzes im zweiten Quartal. "Der Anteil internationaler Akteure gemessen an der Dealzahl stabilisiert sich bei 51 Prozent, was die nachhaltige Bedeutung grenzüberschreitender Handelskonzepte für den deutschen Markt unterstreicht."

Berlin auf Platz 1 beim Flächenumsatz

Berlin dominiere die Top-Zehn-Märkte im ersten Halbjahr 2026 unangefochten mit einem Flächenumsatz von 31.200 m². Die Hauptstadt vereine damit knapp ein Drittel des gesamten Umsatzes der zehn Hochburgen auf sich und liege mit 51 Transaktionen auch bei der Dealanzahl klar an der Spitze.

Auf den Plätzen folgten Düsseldorf mit 12.400 m² aus 17 Abschlüssen sowie Leipzig mit 11.900 m² und lediglich sechs Deals – ein Hinweis auf überdurchschnittlich großflächige Anmietungen in der sächsischen Metropole. Hamburg positioniere sich mit 8.100 m² aus 22 Transaktionen auf Rang vier, gefolgt von München (7.800 m², 18 Deals) und Stuttgart (7.100 m², 23 Deals).

Frankfurt am Main verbuche 6.400 m² bei 20 Abschlüssen, während Hannover mit 5.200 m² aus 22 Transaktionen eine beachtliche Aktivität zeige. Köln erreiche 4.300 m² über neun Deals, während Nürnberg mit lediglich 300 m² und einem einzigen Abschluss das Schlusslicht der zehn Hauptstandorte bilde.

Textilhandel und Gastronomie am stärksten

Im ersten Halbjahr 2026 dominiere der Textilhandel mit einem Flächenvolumen von circa 52.700 m² das Vermietungsgeschehen und repräsentiere damit 26 Prozent des gesamten Umsatzes. Der Bekleidungssektor etabliere sich somit erneut als wichtigster Nachfragetreiber auf dem deutschen Einzelhandelsmarkt. Auf Rang zwei folge die Sparte Gastronomie/Food mit einem Anteil von 24 Prozent am Gesamtumsatz, was einem Flächenvolumen von rund 48.400 m² entspreche.

München bleibt am teuersten

Ein Blick auf die Mieten zeige München mit unveränderten 340 Euro/m²/Monat als kostspieligsten Markt Deutschlands. Frankfurt am Main halte das Niveau bei 280 Euro, während Hamburg und Stuttgart jeweils 250 Euro notierten. Köln bleibe bei 225 Euro, Hannover bei 170 Euro und Leipzig bei 110 Euro.

Veränderungen im Jahresvergleich seien hingegen bei drei Standorten zu beobachten: Berlin verzeichne einen Rückgang um 3,4 Prozent auf 280 Euro. Düsseldorf einen Zuwachs von 3,6 Prozent auf 290 Euro zu. Den markantesten Einbruch verzeichne Nürnberg mit einem Minus von 15,4 Prozent auf 110 Euro – der niedrigste Wert unter den zehn Hochburgen. Für das dritte Quartal 2026 deute sich eine durchgängige Stabilisierung an, wobei alle zehn Märkte voraussichtlich ihre aktuellen Spitzenmietniveaus beibehalten werden.

Für die weiteren 56 von JLL untersuchten Städte blieben in der Größenklasse von 500.000 Einwohnern und mehr sowie der angrenzenden Klasse von 250.000 bis 500.000 Einwohnern die Spitzenmieten unverändert. In den kleineren Städten von 100.000 bis 250.000 Einwohnern sowie unter 100.000 Einwohnern zeigten sich die Spitzenmieten ebenfalls konstant. Im deutschlandweiten Durchschnitt aller 66 untersuchten Städte bleibe das Mietniveau nahezu identisch. "Für den weiteren Jahresverlauf zeichnet sich eine anhaltende Stabilisierung ab, wobei die Marktbedingungen ein ausgeglichenes Preisniveau erwarten lassen", sagt Korsos.