Interview zum Jahreswechsel (9): Gesche Wendebourg, Lizenzchefin Penguin Random House

"Der Bedarf an verkäuflichen Titeln ist sogar gestiegen"

17. Dezember 2021
von Sabine Cronau

Wird das Lizenzgeschäft auch ohne Pandemie digital bleiben? Was war 2021 im Ausland besonders gefragt? Und wie lief das sehr besondere Geschäft mit Theater- und Filmlizenzen? Antworten von Gesche Wendebourg, Leiterin der Abteilung Gesamtlizenzen in der Penguin Random House Verlagsgruppe.

Gesche Wendebourg, Penguin Random House

In der Corona-Krise hat sich das Lizenzgeschäft in die digitale Welt verlagert. Wird das so bleiben, auch ohne Pandemie?
Auch vor der Pandemie liefen ja viele Teile des Geschäftes digital. Ich denke, es wird auch in Zukunft bei einer Mischform mit stärkerer Tendenz zum Digitalen bleiben. Im Lauf der Zeit wird sich noch klarer herausstellen, wie wir alle am besten zusammenarbeiten können und wollen.

Leidet der Lizenzhandel darunter? Oder kann die Verlagsgruppe Penguin Random House die Zahl der Deals halten?
Der Lizenzhandel hat bisher nicht gelitten, im Gegenteil. Der Bedarf an guten, verkäuflichen Inhalten ist sogar gestiegen. Dafür sind wir sehr dankbar.

Ratgeber, Kinderbücher, Romane, Sachbücher: Welche Titel waren im Ausland 2021 besonders gefragt?Tatsächlich alle – je nach Land unterschiedlich stark. Sehr gut laufen immer noch und in etlichen Ländern historische Familiensagas. Und besonders freuen wir uns darüber, dass Saša Stanišićs Bestseller „Herkunft“ in 28 Ländern erscheint, es kommen immer noch weitere dazu. Die englischen Ausgaben sind gerade in Großbritannien und in den USA erschienen und bekommen hervorragende Presse.

In welches Land würden Sie 2022 gerne mal ein Buch verkaufen?
Indonesien.

2021 haben Sie die Gesamtleitung der Lizenzabteilung bei PRH übernommen – und damit auch die Verantwortung für Theater- und Filmlizenzen. Wird sich dieses sehr besondere Geschäft vom Krisentief und diversen Lockdowns schnell wieder erholen?
Für die Theater ist die Situation sehr schwierig und immens frustrierend, die staatlichen Hilfen greifen nur sehr begrenzt. Die Spielpläne müssen aufgrund der aktuellen Einschränkungen wieder geändert werden, vieles muss verschoben oder ganz abgesagt werden. Das hat natürlich auch Konsequenzen für die Stoffe, die sich eigentlich gut fürs Theater eignen. Das Geschäft mit Filmrechten ist generell dynamisch und vielschichtig, das gilt auch während der Pandemie. Produktionsfirmen, die mit Streaming Plattformen zusammenarbeiten, haben unglaublich viele Stoffe gelesen, optioniert und entwickelt und – unter hohen Hygieneauflagen – teilweise auch sehr viel gedreht. Bei Studios, die eher auf Kinofilme spezialisiert sind, macht sich natürlich auch beim Einkauf von Rechten die angespannte Situation des deutschen Kinos bemerkbar. Generell ist aber der Bedarf nach geeigneten Buchstoffen erfreulicherweise sehr hoch. Meine Kollegin Sema Kara, die bei uns in der Abteilung die Filmrechte betreut, attestiert eine große Neugier sowohl für literarische Stoffe als auch Genre, besonders im Reihenformat.

Ihr größter Wunsch an das kommende Lizenzjahr?
Endlich all die Kolleginnen und Kollegen aus aller Welt, die wir vor der Pandemie regelmäßig getroffen haben und seit der Pandemie nur virtuell, persönlich wiedersehen zu können.

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