Klassismus in der Buchbranche

"Lohnt sich dieser Weg überhaupt?"

3. Juli 2026
Jule Heer

Unbezahlte Praktika, gering vergütete Volontariate und fehlende Kontakte: Wer keine finanzielle Unterstützung von zu Hause erhält, hat es meist schwerer, in der Buchbranche Fuß zu fassen.

Laufsituation

Abgehängt: Nicht jeder hat dieselben Startchancen..

Sie liebt die Buchbranche, Bücher sowie alles, was sie bewegen können – und hat deshalb Mediapubli­shing an der Stuttgarter HdM studiert. Kurz vor dem Abschluss ihres Studiums fragt sich Sheila Serrer jedoch: "Lohnt sich dieser Weg – oder ist die Welt der Bücher am Ende doch denen vorbehalten, die es sich leisten können?"

Auch Janneke de Vries, Sprecherin des Zukunftsparlaments im Börsenverein, hält die Frage für symptomatisch: Die Buchbranche sei "definitiv eine kulturell und sozial privilegierte Branche". In vielen Gesprächen mit Kolleg:innen sei Gehalt zwar Thema Nummer 1 – das Problem beginne aber schon viel früher, nämlich bei der Benachteiligung beim Einstieg.

Da wäre zum einen die oft herausfordernde Finanzierung von Prak­tika. "Bei einer Vergütung unter Mindestlohn waren 40 Stunden Praktikum pro Woche in einer Stadt wie Stuttgart für mich der Alptraum", erzählt Serrer. Dazu komme, dass manche Verlage ihren Praktikant:innen Krankheitstage nicht vergüten. Aber ohne Praktikum geht es auch nicht, denn es ist verpflichtender Teil des Studiums: sprich ohne Praxissemester kein Abschluss. Die Berufseinsteigerinnen Agnieszka Switala und Stefania Fittipaldi berichten Ähnliches: Für das Praktikum mussten sie und viele ihrer Kommiliton:innen ihre Jobs als Werkstudierende unterbrechen oder gar kündigen. Die Möglichkeit, das Praktikum nur in Teilzeit, aber dafür in doppelter Laufzeit zu absolvieren, gab es vonseiten der Universität nicht – und entsprechend fielen mit der Werkstudentenstelle wichtige finanzielle Mittel weg.
 

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