Fokustage Börsenverein: IG Digital

Lernlabor und KI-Kennzeichnung

12. Juni 2026
Sabine van Endert

Wissen teilen und austauschen, Standards erarbeiten und zugänglich machen - dafür steht die IG Digital. Außerdem: eine Diskussion über KI-Kennzeichnung in der Buchbranche. 

KI-Transparenz Fokustage2026

Podiumsdiskussion zum Thema KI-Transparenz

"Wir duzen uns hier, wir tauschen uns aus und vernetzen uns. Das zeichnet die IG Digital aus". Eric Bartoletti (Bookwire), im zweiten Jahr im Sprecherkreis der IG Digital dabei, brachte es auf den Punkt. Mit etwa 130 Teilnehmer:innen waren die Digitalen die stärkste der drei IGen, die am 10. und 11. Juni zu ihren Fokustagen in Frankfurt zusammengekommen sind. Das Programm: vielfältig, praxisorientiert und interaktiv. 

Steiniger Weg: Neue Software im Verlag

Zustimmende Seufzer, wissendes Nicken, leises Aufstöhnen – Nina Grünberger (NordSüd Verlag) nahm das Auditorium mit auf den steinigen Weg der Einführung einer neuen Software in ihrem Haus. Was ihr und ihrem Team geholfen hat: der Werkzeugkasten der Taskforce IT-Standards mit Leitfaden, Musterprozessen, und Checklisten und ein regelmäßiges "Prozessgipfel(i)" genanntes Treffen, bei dem die Verlagsführung alle Prozesse im Haus seziert hat.  
Hier geht es zum Werkzeugkasten der Taskforce!
 

Chatbots für eigene Daten

Hansers  plastics.ai ist ein so genanntes RAG-System, mit dem sich derzeit viele Fachverlage beschäftigen. Das KI-Verfahren Retrieval Augmented Generation (RAG) kombiniert LLMs mit der Suche in Wissensquellen – im Fall von plastics.ai mit der Suche in Hanser-Inhalten zur Kunststofftechnik. Wann sich solche Chatbots für eigene Daten lohnen, diskutierte eine Gesprächsrunde mit Sarah Nicolin (Beltz), Jessica Gutsche (DIN Media) und Michael Justus (Hanser Verlag).    
Hier geht es zum Börsenblatt-Interview mit Michael Justus!

 

KI Kritik beibringen

KI ist hilfreich und kann Arbeitszeit. Wie man gute Ergebnisse erhält und den KI-Biases und -Halluzinatiotionen nicht auf den Leim geht, erklärten ebenso unterhaltsam wie lehrreich Juliane Reichwein (Droemer Knaur) und Albrecht Mangler (Open Publishing). 

Dazu und zu vielen anderen digitalen Themen bietet der Wissens-Hub des Börsenvereins Orientierung und Erkenntnisse!
 

Mitmachen gefragt

Interactiv wurde es in einer  Doppelsession mit der LEGO Serious Play-Methode. Die Fragestellung: "Wie stellst Du Dir eine resiliente Buchbranche vor, in der die Akteure nachhaltig wirtschaften können?". Außerdem gab es ein World Café zu neuen Geschäftsmodellen und einem Workshop zu Führungsfragen in flachen Hierarchien. 
 

KI-Kennzeichnung in der Buchbranche

Der Umgang mit KI ist eines der meistdiskutierten Themen in der Branche. Bei den Fokustagen wurde am Freitag über Transparenz beim KI-Einsatz diskutiert – mit einem sehr diversen Podium, bestehend aus Vertretern von Springer Nature, dem Loewe Verlag und C.H. Beck.

Henning Schönenberger von SpringerNature berichtete, dass sein Verlag KI in allen Bereichen nutzen würde. Erste KI-Projekte habe es bereits im Jahr 2012 gegeben, als die Modelle noch in den Kinderschuhen steckten. Den Autoren des Verlags sei es erlaubt, KI zu verwenden, allerdings müssten sie den Einsatz kennzeichnen. Das Problem: „Niemand macht das“, sagte Schönenberger. Er konstatiert eine Stigmatisierung, wenn die Autorinnen und Autoren KI nutzen. Daher lautet sein Appell: „Wir müssen den Weg frei machen, dass die Forschenden den Mut haben, auf KI zurückzugreifen. Denn in einigen Jahren wird es der Standard sein und ohne KI nicht mehr funktionieren.“ Dann würde eher hinterfragt, warum jemand nicht mit KI arbeitet.

Der Loewe Verlag kennzeichnet seit einigen Monaten sein gesamtes lieferbares Programm in Online-Shops mit dem Label „Ohne KI“. Damit garantiert der Verlag, dass alle Texte und Illustrationen von echten Menschen geschrieben, illustriert und sorgfältig lektoriert sind. Geschäftsführer Christoph Gondrom betonte jedoch, dass Loewe kein KI-freies Unternehmen sei. „Small wins wie die KI zur Unterstützung bei Tabellen oder als Sparringspartner gibt es natürlich bei uns im Verlag.“

Gondrom bezeichnet die Flut von KI-Büchern, die beispielsweise bei Amazon angeboten werden, als „Tsunami“ und als sehr gefährlich für die gesamte Branche. „Wenn Kunden erstmal zwei bis drei KI-generierte Bücher gekauft haben und enttäuscht von den Inhalten sind, wird es schwer, das Vertrauen in von Menschen gemachte Bücher wieder herzustellen.“

Dirk Setton, Lektor bei C.H. Beck, erläuterte, dass die Anwendung von KI dann eine Grenze finde, wenn sie kreativen Impact auf den Text habe. Hier gebe es gleichwohl eine Grauzone, denn die Grenzen zwischen „Sich Inspiration holen“ und „Ideen entwickeln“ seien fließend. Das könne man in der Praxis kaum auseinanderhalten. Für ihn sei wichtig, dass es sich gerade im Sachbuchbereich um menschliche Autoren und menschliche Lektoren handele, die Vertrauen schaffen. Ein Vertrauen, das in die KI nicht gesetzt werden könne.

Im Verlagsalltag profitiert der literarische Verlag vom Fachverlag, wo die Entwicklung von KI sehr weit fortgeschritten ist. „Die zahlreichen Kolleg:innen mit KI-Know-how entwickeln auch die eine oder andere Anwendung für uns.“