Der Umgang mit KI ist eines der meistdiskutierten Themen in der Branche. Bei den Fokustagen wurde am Freitag über Transparenz beim KI-Einsatz diskutiert – mit einem sehr diversen Podium, bestehend aus Vertretern von Springer Nature, dem Loewe Verlag und C.H. Beck.
Henning Schönenberger von SpringerNature berichtete, dass sein Verlag KI in allen Bereichen nutzen würde. Erste KI-Projekte habe es bereits im Jahr 2012 gegeben, als die Modelle noch in den Kinderschuhen steckten. Den Autoren des Verlags sei es erlaubt, KI zu verwenden, allerdings müssten sie den Einsatz kennzeichnen. Das Problem: „Niemand macht das“, sagte Schönenberger. Er konstatiert eine Stigmatisierung, wenn die Autorinnen und Autoren KI nutzen. Daher lautet sein Appell: „Wir müssen den Weg frei machen, dass die Forschenden den Mut haben, auf KI zurückzugreifen. Denn in einigen Jahren wird es der Standard sein und ohne KI nicht mehr funktionieren.“ Dann würde eher hinterfragt, warum jemand nicht mit KI arbeitet.
Der Loewe Verlag kennzeichnet seit einigen Monaten sein gesamtes lieferbares Programm in Online-Shops mit dem Label „Ohne KI“. Damit garantiert der Verlag, dass alle Texte und Illustrationen von echten Menschen geschrieben, illustriert und sorgfältig lektoriert sind. Geschäftsführer Christoph Gondrom betonte jedoch, dass Loewe kein KI-freies Unternehmen sei. „Small wins wie die KI zur Unterstützung bei Tabellen oder als Sparringspartner gibt es natürlich bei uns im Verlag.“
Gondrom bezeichnet die Flut von KI-Büchern, die beispielsweise bei Amazon angeboten werden, als „Tsunami“ und als sehr gefährlich für die gesamte Branche. „Wenn Kunden erstmal zwei bis drei KI-generierte Bücher gekauft haben und enttäuscht von den Inhalten sind, wird es schwer, das Vertrauen in von Menschen gemachte Bücher wieder herzustellen.“
Dirk Setton, Lektor bei C.H. Beck, erläuterte, dass die Anwendung von KI dann eine Grenze finde, wenn sie kreativen Impact auf den Text habe. Hier gebe es gleichwohl eine Grauzone, denn die Grenzen zwischen „Sich Inspiration holen“ und „Ideen entwickeln“ seien fließend. Das könne man in der Praxis kaum auseinanderhalten. Für ihn sei wichtig, dass es sich gerade im Sachbuchbereich um menschliche Autoren und menschliche Lektoren handele, die Vertrauen schaffen. Ein Vertrauen, das in die KI nicht gesetzt werden könne.
Im Verlagsalltag profitiert der literarische Verlag vom Fachverlag, wo die Entwicklung von KI sehr weit fortgeschritten ist. „Die zahlreichen Kolleg:innen mit KI-Know-how entwickeln auch die eine oder andere Anwendung für uns.“