Interview zum Jahreswechsel (11): Miguel Fernandez, Cartoonist

Gefahrenzone Home-Office

21. Dezember 2021
von Petra Gass

Trotz des spanischen Namens ist Miguel Fernandez echter Niedersachse, und trotz einer Ausbildung in der Steuerberatung ist er inzwischen hauptberuflich und erfolgreich Cartoonist. Seine Knollennasenfiguren tragen gern weite Hosen, man sieht ihnen ihre Stimmung an der Stellung der Augenbrauen an. Fernandez' Cartoons über das Bahnfahren, das Kochen mit dem Thermomix®, Höhen und Tiefen der Paar- oder Kollegenbeziehung sind in zahlreichen Büchern, meist bei Lappan, erschienen.

Miguel Fernandez mit Selbstportät

Wie kommen Sie in unlustigen Zeiten (wie jetzt) auf heitere Ideen?
Je schlechter die Zeiten, desto lieber lassen sich die Leute unterhalten. Die Corona-Pandemie bietet reichlich Stoff, viele Zeichner-Kollegen haben gute und kritische Cartoons dazu entwickelt. Ich selbst habe nur wenige Cartoons zu dieser speziellen Situation der Pandemie gemacht. Ich möchte eher Cartoons zeichnen, die man auch in zehn Jahren noch ohne diesen engen Zeitbezug mit Vergnügen anschauen kann. Ich sehe es als meinen Auftrag, zu unterhalten und Menschen zum Lächeln zu bringen – und das gelingt zum Beispiel mit Cartoons zu kleinen Missgeschicken, die nicht ganz so tragisch verlaufen, gut.

Sie arbeiten seit vielen Jahren im Home-Office und haben damit vielen anderen Pandemiegeplagten eine Erfahrung voraus. Gibt es einen Cartoon dazu?
Mir ist ja erst in der Pandemie aufgefallen, wie gefährlich mein Cartoonisten-Dasein im Home-Office ist... Als Freunde und Bekannte berichteten, dass sie die Kontaktpflege vergessen und das Alleinsein nicht gut verkraften! Ja, ich habe Cartoons zum Home-Office gemacht, allerdings eher zu den Vorzügen.

Der Weg zur Arbeit ist im Home-Office kurz. Woher kommen die Ideen für Ihre Pendler-Cartoons?
Ich wohne schon immer auf dem Land, und durch das frühere jahrelange Pendeln in die Stadt hatte ich genug Stoff für inzwischen acht Pendler-Kalender. Als Cartoonist im Home-Office fahre ich nicht mehr so oft Zug – aber auch da tut es wirklich gut, sich nach einer Reise, zum Beispiel von Hannover nach Berlin mit ungeplantem, dafür ausgiebigem Zwischenstopp in Hamburg (!) mit einem Cartoon für die Verspätung zu rächen. Die Bahn-Cartoons würde ich ohnehin gern mal als Sammelband bündeln.

Auch in anderen Lebenslagen scheinen Sie sich auszukennen. Für die „Baujahr“-Reihe zeichnen Sie Illustrationen für Jahrgänge wie 1968 und auch 1987, für die Reihe „Geschafft!“ Cartoons für 70jährige.
Ich denke mich gern in andere Lebensphasen hinein. Das fällt mir bei denen, die ich schon hinter mir habe, natürlich leichter, und das werden ja immer mehr. Ansonsten muss ich recherchieren, das mache ich gerne und überall. Damit komme ich auch mal aus dem Home-Office heraus.

Spielen Sie Orakel. Was wird uns 2022 zum Lachen bringen?
Ich hoffe einfach, dass die Menschen sich weiterhin ihren Humor bewahren. Schließlich ist Lachen so gesund! Und ich freue mich darauf, nach vielen Projekten mit themenbezogenen Cartoons wieder mehr frei arbeiten zu können und zeichnen zu können, was auch immer mir an guten Ideen einfällt. Und wenn es Pinguine sind!

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