Rainer Dresen und Susanne Barwick zum Rechtsstreit PRH gegen OpenAI

"Die KI verrät selbst, wovon sie gelernt hat – wenn man die richtigen Fragen stellt"

13. April 2026
Sabine Cronau

"Der Kleine Drache Kokosnuss" ist kein Einzelfall: Nahezu jede bekannte Kinderbuch- und Comicfigur lässt sich mit KI-Prompts ebenso mühelos wie unfreiwillig in neue Abenteuer schicken - Rainer Dresen, Justiziar bei der Penguin Random House Verlagsgruppe, hat es selbst getestet. Hier erläutert er zusammen mit Susanne Barwick vom Börsenverein die Münchner Klage gegen OpenAI.

Szene aus dem Kokosnuss-Band, den die KI ausgespuckt hat

 

 

Porträtfoto Rainer Dresen

Rainer Dresen

Wir wünschen uns eine Künstliche Intelligenz, die das geistige Eigentum der Kreativen und das Urheberrecht auf allen Ebenen respektiert. 

Rainer Dresen, Justiziar der Penguin Random House Verlagsgruppe
Porträt Susanne Barwick vor einer grauen Wand

Susanne Barwick

Wir werden von der Politik oft gefragt, warum es nicht mehr Klagen gibt, schließlich prangern wir die Urheberrechtsverletzungen schon lange an.

Susanne Barwick, stellvertretende Justiziarin des Börsenvereins

Warum ist "Der Kleine Drache Kokosnuss" ein gutes Fallbeispiel für ein solches Verfahren, Herr Dresen?

Rainer Dresen: "Der Kleine Drache Kokosnuss" begeistert seit fast 25 Jahren Millionen von Kindern und Familien weltweit – er ist also weithin bekannt und äußert beliebt. Ingo Siegner hat mit ihm eine einzigartige Figur in einer einzigartigen Welt geschaffen. Fast alle haben sofort seine sympathische Gestalt vor Augen, wenn man vom Drachen spricht. Dadurch, dass neben Texten auch Illustrationen Teil sowohl der realen als auch der von der KI geschaffenen Kokosnuss-Welt sind, lassen sich Urheberrechtsverletzungen außerdem deutlicher sichtbar machen.

"Der kleine Drache Kokosnuss" ist, offenbar anders als die KI meint, kein austauschbarer, von ihr beliebig benutzbarer Inhalt, sondern ein Werk mit einer klar erkennbaren Handschrift – sowohl sprachlich als auch visuell. Wenn eine KI genau den typischen Kokosnuss-Stil und dessen kennzeichnende Bestandteile wiedererkennbar reproduzieren kann und das auf einfache Prompts hin auch bereitwillig macht, dann ist das kein bloßer Zufall und keine Inspiration. Dann ist das ein starkes Indiz dafür, dass die KI mit genau diesen Werken "gefüttert" wurde.

Mit anderen Worten: Hier lässt sich exemplarisch zeigen, was unserer Vermutung nach im großen Stil nicht nur mit Werken unseres Hauses passiert.

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