Lesetipp zum Umzug von S. Fischer

Oliver Vogel: "Der Verlag musste sich immer wieder verändern"

16. Juni 2026
Redaktion Börsenblatt

Die Meldung, dass S. Fischer seinen Hauptsitz im Sommer 2027 nach Berlin verlegt, schlug wie eine Bombe ein. Im Interview mit der FAZ erläutert Verlagsleiter Oliver Vogel die Gründe für die Entscheidung. 

Oliver Vogel am Tor des S. Fischer Verlags in Frankfurt

Oliver Vogel

"Unser Umzug ist eine Investition" ist das Interview überschrieben, das Andreas Platthaus mit Oliver Vogel, für die FAZ führte (16. Juni; hinter der Zahlschranke). Platthaus will zunächst wissen, ob Vogel schon 2022, bei seinem Antritt als Verlagsleiter von S. Fischer, doch schon einen Masterplan für den Umzug nach Berlin gehabt hätte? Das verneint Vogel, es sei vor vier Jahren ausschließlich geplant gewesen, ein größeres Büro in der Hauptstadt anzumieten. "Dass daraus eine Verlagerung des Hauptsitzes wird, hat sich erst ergeben durch die massiven Bewegungen des Buchmarktes und die überaus positiven Erfahrungen mit dem Berliner Büro – und auch erst in den letzten Monaten", sagt Vogel im Interview. 

Berlin sei nicht der Anfang der Überlegungen gewesen. Am Anfang hätte die Überzeugung gestanden, dass es eine grundlegende Veränderung brauche, "um gut aufgestellt zu sein für die rasanten Marktentwicklungen". Diese, KI und weitere Zukunftstrends würden S. Fischer und alle Buchverlage sehr unter Druck setzen. Man müsse und wolle darauf reagieren. Das Verlagsgeschäft beruhe auf Begegnungen und Gesprächen, da schaffe die Präsenz in Berlin Möglichkeiten, erläutert Vogel die Beweggründe für den Umzug. "Unsere Entscheidung hat, so paradox es klingen mag, mit Frankfurt gar nichts zu tun", so Vogel – und betont, es handele sich ausdrücklich nicht um ein Sparprogramm und nicht um eine Maßnahme mit dem Ziel eines Personalabbaus. Er hoffe, dass möglichst viele Kolleginnen und Kollegen mitkommen werden.

Der Umzug nach Berlin verstehe sich als Investition, um den Büchern maximale Sichtbarkeit und gesellschaftliche Resonanz zu verschaffen. In Berlin werde nach einem neuen Standort gesucht, der bisherige in der Rosenstraße reicht dann nicht mehr aus – man will zusammen mit Argon in eine Immobilie ziehen. Auf die Frage, ob es Starthilfe von der Stadt gebe, antwortet Vogel: "Die Stadt Berlin weiß noch nicht, dass wir kommen." Es gebe also keine Starthilfe.

Frankfurt am Main bleibe als Standort erhalten, man werde nach neuen Räumen suchen und sie dauerhaft anmieten. Die kaufmännischen Bereiche und Teile des Lektorats sollen dort bleiben. Laut Vogel arbeiten in der Mainmetropole zurzeit rund 115 Personen für den Verlag, 2028 werden es vielleicht noch 40 sein, schätzt der Verlagsleiter. Insgesamt habe Fischer etwa 150 Mitarbeitende.

In seiner langen Geschichte musste sich S. Fischer immer wieder verändern, sich immer wieder neu erfinden, führt Vogel aus: "Das tun wir jetzt wieder. Der Umzug hilft uns dabei."

Ein Kommentar von Andreas Platthaus findet sich ebenfalls in in der Online-Ausgabe der FAZ vom 16. Juni: "Eine Säule der Buchstadt bricht weg" (hinter der Zahlschranke). Sein letzter Satz lautet: "Der Verlust ist unbeschreiblich".