Aus dem Sonderheft Dienstleister: Erfa-Gruppen

"Wir lassen sprichwörtlich die Hosen voreinander runter."

12. Juni 2021
von Christina Schulte

Ulrike Pitz, Inhaberin der Buchhandlung Merkle in Elzach, ist seit vielen Jahren Mitglied der Erfa-Gruppe Rhein-Neckar (Berater: Joachim Merzbach). Das hat ihr schon viel Arbeit erspart.

Ulrike Pitz

Welchen Nutzen ziehen Sie daraus, dass Sie sich in einer Erfa-Gruppe engagieren? 
Die Vorteile ergeben sich auf verschiedenen Ebenen. Die Gruppe ermöglicht mir ein unersetzliches Networking: Wir kennen uns seit vielen Jahren, tauschen uns ganzjährig via Social Media über alle möglichen Themen intensiv aus, haben großes Vertrauen ineinander und lassen sprichwörtlich die Hosen voreinander runter. Wir haben die Pflicht, uns mit unseren betriebswirtschaftlichen Zahlen auseinanderzusetzen und sie zu analysieren. Das ist für eine erfolgreiche Unternehmensführung sehr wichtig und würde bei mir im Alltag sonst zu kurz kommen. Außerdem treffen wir uns reihum in unseren Buchhandlungen, machen einen Check der Läden und nehmen sie gedanklich auseinander. Daraus ergeben sich immer wieder tolle Anregungen, sei es bei der Gestaltung des Ladens oder bei den Arbeitsstrukturen, die bei den Kolleg*innen komplett anders aussehen können.

Können Sie ein konkretes Beispiel nennen? 
Wir bauen gerade um und wollen barrierefrei werden. Die Pläne dazu habe ich mit der Frage, wo die Kasse hinkommen soll, in unsere Runde gegeben und sehr gute Tipps bekommen, die ich jetzt auch umsetze. Außerdem habe ich mir mittlerweile Tausende Arbeitsstunden dadurch erspart, dass ich die angelieferten Barsortimentstitel nicht mehr einzeln kontrolliere, sondern einfach durchzähle. Das hatte ich noch anders gelernt, aber meine Kolleg*innen haben mich davon abgebracht. Problemlos ging auch die Einführung meines neuen Kassensystems, weil das einige aus der Erfa-Gruppe schon hatten und mir sehr gute Ratschläge gegeben hatten. Sie konnten es besser und praxisnäher erklären als der Softwareanbieter.

Was zeichnet eine gute Erfa-Gruppe aus?
Die Mitglieder einer Gruppe müssen zueinander passen, die Chemie muss stimmen und das Vertrauen da sein. Sinnvoll ist es auch, wenn die Unternehmen von der Umsatzgröße in etwa vergleichbar sind. Es kann aber auch bereichernd sein, wenn ein »Exot« dabei ist, der anders aufgestellt ist oder Dinge anders angeht. Und ganz wichtig: Man muss kritikfähig sein. Für mich als Selbstständige hat es einen unschätzbaren Wert, mit anderen Unternehmer*innen vernetzt zu sein, die denken wie ich – und mit denen ich beispielsweise Sorgen geschäftlicher Natur teilen kann. Das bleibt dann in der Gruppe und macht nicht bei mir am Ort die Runde. Als Chefin hat man sonst oft eine einsame Rolle.

Schmoren Erfa-Gruppen nicht irgendwann nur noch im eigenen Saft?
Nein, das finde ich überhaupt nicht. Man kann immer voneinander lernen, auch wenn man sich schon viele Jahre kennt. Klar bin ich auch gern über die Branchengrenze hinaus vernetzt, aber diese Kontakte entstehen eher über Fortbildungen.

Welche Rolle spielt für Sie Joachim Merzbach?
Er gibt unserer Gruppe Struktur, plagt uns mit den Zahlen (lacht) und ist immer für uns ansprechbar. 

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