Die Nachlese

Betrugsmails an Autor:innen ++ Yael Adler klagt gegen Amazon ++ Ist das Buch noch ein Kulturgut?

31. August 2026
Redaktion Börsenblatt

Buchbranchen-Update: Zurzeit kursieren gefälschte, KI-formulierte Interview- und Podcastanfragen im Namen renommierter ARD-Kulturredaktionen, Ärztin und Bestsellerautorin mahnt Amazon wegen nicht autorisierter "Begleitbücher" von Dritten ab und eine Studie schaut sich an, wie viel im DACH-Raum eigentlich gelesen wird.

Nachlese Podcast-Cover (Mock-up)

Die Nachlese erscheint jeden Montag

Betrugsmasche im Vorfeld der Buchmesse

Für Autor:innen und Verlage gilt derzeit besondere Vorsicht: Im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse kursieren gefälschte Interview- und Podcastanfragen. Die Mails werden offenbar mit KI formuliert und im Namen renommierter Kulturredaktionen der ARD verschickt. Sie sprechen die Empfänger:innen persönlich an, beziehen sich auf ihre Bücher und klingen dadurch sehr überzeugend. Wer Interesse zeigt, bekommt anschließend kostenpflichtige Pakete für einen angeblichen Medienauftritt angeboten. Die Preise liegen zwischen 200 und 500 Euro. Betroffen sind unter anderem Redaktionen des MDR, SWR, WDR, von Radio Bremen und des Saarländischen Rundfunks. Allein bei der MDR-Literaturredakteurin Katrin Schumacher wurden zehn solcher Nachrichten bekannt. Die Sender haben Anzeige erstattet, der Fall liegt inzwischen bei der Staatsanwaltschaft. Auch Verlage berichten von ähnlichen Phishing-Versuchen. Der Börsenverein rät deshalb, Absender genau zu prüfen. Kommt die Nachricht von einer privaten Gmail- oder Yahoo-Adresse, fehlt eine Signatur oder wirkt die Sprache übertrieben positiv, ist Skepsis angebracht. Im Zweifel sollte man bei der angeblichen Redaktion oder im eigenen Verlag nachfragen. Solche Mails können beim Provider als Spam oder Betrug gemeldet werden. Die wichtigste Regel lautet also: nicht vorschnell antworten, keine Unterlagen oder Manuskripte verschicken und schon gar nicht zahlen.

Link: Betrugsmasche im Vorfeld der Buchmesse

Yael Adler gewinnt Rechtsstreit gegen Amazon

Ein Urteil des Landgerichts Berlin II könnte für Verlage und Autor:innen im digitalen Handel weit über den konkreten Fall hinaus relevant sein. Das Gericht hat Amazon den Verkauf eines unautorisierten Begleitbuchs zu Yael Adlers Bestseller „Genial ernährt!“ verboten. Der Titel und die Gestaltung des fremden Produkts nutzten auffällig den Namen der Ärztin. Darin sah das Gericht eine Verletzung ihres allgemeinen Persönlichkeitsrechts. Ein öffentliches Informationsinteresse oder einen Beitrag zum Zeitgeschehen erkannte es nicht. Amazon muss außerdem Adlers Abmahnkosten erstatten. Bei Verstößen droht ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro. Rechtskräftig ist das Urteil allerdings noch nicht. Die Kanzlei, die Adler vertreten hat, erwirkte bereits in fünf ähnlichen Fällen einstweilige Verfügungen gegen Amazon. Zwei davon akzeptierte das Unternehmen, zwei weitere liegen beim Berliner Kammergericht in der Berufung. Für die Branche steht damit die Frage im Raum, wie konsequent Plattformen den Schutz von Urheber- und Persönlichkeitsrechten bei solchen Produkten sicherstellen. Droemer-Knaur-Verlegerin Doris Janhsen wertete das Urteil als wichtiges Signal und betonte, ein großer Marktplatz wie Amazon müsse seiner Verantwortung beim Schutz dieser Rechte gerecht werden. Zugleich müssten Verlage und Urheber:innen gemeinsam dranbleiben, um ihre Rechte im digitalen Handel auch künftig konsequent zu schützen.

https://www.boersenblatt.net/home/yael-adler-gewinnt-rechtsstreit-gegen…

Das Buch bleibt ein Kulturgut – aber vielleicht nicht für alle

Eine neue Studie zum Lesen in Deutschland, Österreich und der Schweiz zeigt: Das Buch bleibt ein Kulturgut, aber die Voraussetzungen dafür sind ungleich verteilt. Befragt wurden 6.427 Erwachsene. 23 Prozent lesen in einer typischen Woche in ihrer Freizeit gar nicht. 15 Prozent haben im vergangenen Jahr kein Buch gelesen. Die größte Gruppe, 38 Prozent, liest ein bis zwei Stunden pro Woche. Nur 4 Prozent kommen auf elf Stunden oder mehr.

Besonders deutlich ist der Zusammenhang zwischen der eigenen Lesebiografie und dem Vorlesen in der Kindheit. Wurde Kindern nie vorgelesen, lesen später 27 Prozent gar nicht. Bei denjenigen, denen häufig vorgelesen wurde, sind es nur 8 Prozent. Das Vorlesen beeinflusst laut Studie also vor allem, ob Menschen später überhaupt lesen, und weniger, wie viel sie lesen.

Gleichzeitig zeigt die Studie auch soziale Unterschiede: Bei Menschen mit hoher Bildung lesen 7 Prozent gar nicht, bei den übrigen Bildungsstufen rund 18 Prozent. Als wichtiges Kulturgut sehen das Buch 74 Prozent der Menschen mit niedriger Bildung und 88 Prozent der Menschen mit hoher Bildung. Die Klage vom Ende des Lesens bestätigt die Studie damit nicht vollständig. Entwarnung gibt sie aber ebenfalls nicht.

Link: Das Buch bleibt ein Kulturgut – aber vielleicht nicht für alle

Verlage

MairDumont lagert seine komplette Verlagslogistik aus. Ab dem kommenden Jahr übernimmt Müller – Die lila Logistik am Standort Blaufelden Wareneingang, Lagerung, Kommissionierung, Versand und Retouren. Das Volumen umfasst rund 12.000 Paletten sowie 7.000 Titel und Programme von Partnerverlagen. Zum Einsatz kommt eine hochautomatisierte Anlage mit AutoStore-Technologie.

Link: MairDumont vergibt Verlagslogistik neu

Der Zentralrat der Juden in Deutschland und der Ernst Klett Verlag haben die neue Lehrwerksreihe „Da’at Hadorot“ für den jüdischen Religionsunterricht vorgestellt. Auftakt ist das Schülerarbeitsbuch „Tora“ für Schüler:innen ab der fünften Klasse. Geplant sind acht Bände für die Jahrgangsstufen fünf bis zehn, ergänzt durch Handreichungen für Lehrkräfte.

Link: Zentralrat und Klett stellen "Da'at Hadorot" vor

Buchhandel

Buchhandlung und Goldschmiede unter einem Dach: In Bremen und Riede ergänzen sich die beiden Gewerke. Bei Thorban werden Bücher verkauft und Schmuck angefertigt, in der Bücherkiste Riede kommen zusätzlich Papeterie, Wein, Wolle und Veranstaltungen dazu. Das Konzept schafft Synergien und bringt Kund:innen mit ganz unterschiedlichen Interessen in die Läden.

Link: Wie Buchhandlung und Goldschmiede Kunden zusammenbringen

Berlin vergibt ab kommendem Jahr einen eigenen Buchhandlungspreis. Jährlich werden sechs unabhängige Buchhandlungen ausgezeichnet, für den ersten Jahrgang stehen 125.000 Euro bereit. Gewürdigt werden Sortiment, Unternehmenskonzept und kulturelles Engagement. Organisiert wird der Preis vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels Landesverband Berlin-Brandenburg.

Link: Berlin bekommt einen Buchhandlungspreis

In Freiberg soll Ende August die Akademische Buchhandlung schließen. Nach fast 60 Jahren endet damit eine Institution nahe der Universität. Zum Laden gehört auch ein Antiquariat. Erst im Juni hatte in Freiberg bereits die Buchhandlung Seitenweise wegen des Ruhestands ihrer Inhaberin ohne Nachfolge geschlossen.

Link: Akademische Buchhandlung in Freiberg schließt

Literaturpreise

Die politische Philosophin und Schriftstellerin Lea Ypi erhält den Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung wird ihr am 10. Dezember im Bremer Rathaus verliehen. Die Jury würdigt ihr Werk zu Freiheit, Wahrheit, Gerechtigkeit und Demokratie. Ypis Bücher erscheinen in deutscher Übersetzung bei Suhrkamp.

Link: Lea Ypi wird in Bremen ausgezeichnet

Der Straelener Übersetzerpreis geht an Christian Hansen für seine Übertragung von César Airas Roman „Der Hase“ aus dem argentinischen Spanisch. Der Hauptpreis ist mit 25.000 Euro dotiert. Den Förderpreis erhält Wiebke Stoldt für ihre Übersetzung von Maria Judite de Carvalhos „Leere Schränke“ aus dem Portugiesischen.

Link: Christian Hansen erhält den Straelener Übersetzerpreis

Und sonst?

Dolly Parton ist gestorben. In Erinnerung bleibt sie nicht nur als Country-Ikone, sondern auch als „Book Lady“. Mit ihrer Imagination Library ließ sie Kindern von der Geburt bis zum fünften Lebensjahr jeden Monat kostenlos ein Buch schicken. Bis zu ihrem Tod kamen so mehr als 332 Millionen Bücher zusammen.

Link: Dolly Parton bleibt die "Book Lady"

Die EU-Kommission arbeitet an einer Strategie für Künstliche Intelligenz in Kultur- und Kreativbranchen. Bis zum 11. September können Künstler:innen, Kulturinstitutionen, Entwickler:innen, Forschende, Behörden und Bürger:innen ihre Erfahrungen einbringen. Im Mittelpunkt stehen Urheberrecht, kulturelle Vielfalt, Zugang und ethische Grenzen. Die Strategie soll im ersten Quartal 2027 veröffentlicht werden

Link: Konsultation: EU-Strategie für KI in Kultur- und Kreativbranchen

Die Reclam-Reihe „100 Seiten“ feiert ihr zehnjähriges Bestehen. Aus dem Konzept, komplexe Themen auf genau 100 Seiten zu erklären, sind inzwischen mehr als 140 Bände entstanden. Zum Jubiläum können Buchhandlungen zehn Geburtstagstorten samt Aktionspaket gewinnen. Dafür müssen sie bis Ende September Feedback zur Reihe schicken.

Link: Torten für den Buchhandel

Die Frankfurter Buchmesse baut ihr Programm für Comics, Manga und Visual Stories aus. Beim Cosplay gibt die Messe wieder Gas: Gemeinsam mit dem Main Matsuri Festival bringt sie Musik, Wettbewerbe und literarische Kostüme zurück in die Hallen. Dazu kommen Rechtehandel, Fachveranstaltungen und zahlreiche Mitmachangebote.

Link: Frankfurter Buchmesse wird zur Bühne für Manga und Cosplay

Kurz notiert

PocketBook zeigt auf der IFA den kompakten E-Reader Q im Smartphone-Format. Er soll für 199 Euro erscheinen. 

Link: PocketBook zeigt den E-Reader Q

Das Berliner Festival „Übersetzen und Weltretten“ lädt vom 11. bis 25. September zum Nachdenken ein. Im Mittelpunkt stehen literarische Utopien und die politische Kraft des Übersetzens.

Link: Literarische Utopien und Dystopien neu lesen

Klett Kinderbuch verschenkt Klassensätze von „Manchmal male ich ein Haus für uns“ an Schulen. Das Buch soll Gespräche über Fluchterfahrungen ermöglichen.

Link: Verlag verschenkt Flucht-Kinderbuch an Schulen

Bookwire vergibt auf der Frankfurter Buchmesse erstmals den Fabely Top List Award. Ausgezeichnet werden kreative Hörbuchlisten von Verlagen, die Orientierung schaffen. 

Link: Bookwire verleiht erstmals den Fabely Top List Award

Der ungarische Schriftsteller Péter Nádas ist im Alter von 83 Jahren gestorben. Bekannt wurde er unter anderem für „Parallelgeschichten“.

Link: Péter Nádas ist tot

Der Zeichner, Maler und Autor Hans Traxler ist mit 97 Jahren gestorben. Er war Mitgründer von „Pardon“ und „Titanic“.

Link: Hans Traxler ist tot