Nachwuchsarbeit

Hürden senken

24. März 2026
Kira Borchers

Wie lassen sich junge Menschen für die Branche gewinnen? Durch mehr Sichtbarkeit an Schulen und auf Karrieremessen – und durch eine Kultur, die Engagement im Alltag ernst nimmt. Für unsere Kolumnistin Kira Borchers ist die Reichweite von Angeboten über die Branche hinaus entscheidend.

Kira Borchers im Porträt mit schwarzem Pulli

Kira Borchers (Jahrgang 2000) ist ausgebildete Medienkauffrau und hat Buchwissenschaften studiert. Sie ist Autorin, engagiert sich beim Börsenverein und arbeitet aktuell als Author Relations Managerin (Autoria, Neopuli GmbH).

Die Buchbranche kommuniziert noch zu häufig mit sich selbst. Netzwerkveranstaltungen und Events erreichen vor allem diejenigen, die bereits gut vernetzt sind. Studierende und Quereinsteigende berichten dagegen, wie schwer es ist, an Praktika oder Einstiegsjobs zu kommen. Von außen wirkt die Branche nicht selten verschlossen: Wer nicht schon "einen Fuß drin" hat, findet nur schwer Zugang.

Hinzu kommt: Nachwuchsangebote werden überwiegend über Kanäle kommuniziert, die vor allem Branchenangehörige nutzen – etwa das Börsenblatt oder das Netzwerk Junge Verlags- und Medienmenschen (JVM). Auch auf Buchmessen gibt es Formate für den (Quer-)Einstieg, doch Interessierte müssten davon ja erst mal wissen.

Sichtbar, auch nach außen

Neben Mailverteilern an Universitäten braucht es persönliche Präsenz. Junge Menschen benötigen konkrete Einblicke und Begeisterung aus erster Hand. Viele Schüler:innen nehmen die Buchbranche nicht als potenziellen Arbeitsmarkt wahr; über Berufsbilder, Einstiegsmöglichkeiten und Karrierewege ist wenig bekannt. Studiengänge, Ausbildungen in Verlag und Buchhandel sowie Quereinstiegs­optionen sollten daher intensiver von jungen Branchenangehörigen in Schulen und auf Karrieremessen vorgestellt werden. Schulbesuche auf den Buchmessen in Frankfurt und Leipzig könnten gezielter gefördert werden – um zu zeigen, dass Arbeit mit Büchern vielseitig, modern und relevant ist.

Junge Menschen benötigen konkrete Einblicke und Begeisterung aus erster Hand.

Kira Borchers

Anerkennung für Engagement

Engagierte Nachwuchskräfte kritisieren, dass ihr Einsatz häufig nicht ausreichend wertgeschätzt wird. Unternehmen unterstützen Nachwuchsformate zwar finanziell, im Arbeitsalltag spiegelt sich das aber oft nicht wider: Volontär:innen, Auszubildende und Young Profes­sionals werden selten aktiv auf Veranstaltungen hingewiesen, erhalten nicht selbstverständlich Freistellungen und bekommen organisatorische Unterstützung nur punktuell.

Dazu kommt die Standortfrage: Viele Events finden in Großstädten statt. Für Nachwuchskräfte außerhalb der Ballungsräume sind damit Zusatzkosten verbunden – bei niedrigen Einstiegsgehältern nicht immer leistbar. Mehr digitale und hybride Formate helfen, reichen aber allein nicht aus. Reisekostenzuschüsse und verbindliche Freistellungen wären ein starkes Signal.

Dabei gibt es bereits zahlreiche gute Initiativen – vom Zukunftsparlament über Genossenschaften wie zora.lit bis zu Netzwerken wie JVM oder Claus. Entscheidend ist, diese Angebote nicht nur für die "Insider" sichtbar, sondern gezielt zugänglich zu machen – auch für Menschen, die erst überlegen, Teil der Branche zu werden. Die Buchbranche sollte nicht darauf warten, dass Interessierte zufällig auf sie stoßen. Sie muss aktiv, persönlich und vor Ort ansetzen – und zeigen, was sie einzigartig macht: eine Community, die Austausch ermöglicht und Nachwuchs nachhaltig fördert.